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Systemisches Gedankenregister:

Autonomie, Ratio, Verantwortung, Vernunft, Willensfreiheit


"Doch der Mensch hat sich als soziales Wesen herausgebildet, das mit Hilfe von Verabredungen eine Reihe seiner Aktionen koordiniert. Verabredungen sind häufig explizite Regeln vom Typ WENN-DANN: Tatbestand und Rechtsfolge, Schuld und Strafe, Leistung und Gegenleistung, Lohn und Arbeit. Diese Regeln sind Schlußfolgerungen, sie sind kommunikable Regeln. Ihre Sprache ist rational. Der Mensch lebt seit ein paar tausend Jahren mit solchen Regeln, er lebt rationalisiert.
Und genau hierin liegt ein Widerspruch. Ausdrückliche Verabredungen und Normen auf der einen Seite und unsere unverstandene, spontane Handlungssteuerung auf der anderen Seite. Dieser Widerspruch wird in modernen Gesellschaften mit einer sozialen Fiktion überbrückt: Sie heißt Willensfreiheit und Verantwortlichkeit. Gesellschaftssysteme, in denen sich Normen und Sanktionen herausbilden, über die in ausdrücklicher Sprache verhandelt wird, bringen notwendigerweise die Fiktion von freiem Willen und Verantwortlichkeit hervor. Fiktiv heißt keineswegs: Es gibt sie nicht. Sie sind soziale Konstruktionen und als solche sehr real. Das Normen- und Sanktionssystem der modernen Gesellschaft ruft jedem zu: Du wirst behandelt, als hättest du freie Wahl, also sieh dich vor!
...
Der freie Wille ist eine gesellschaftliche Konstruktion. Eine Fiktion, die dazu dient, Sanktionen zu begründen und zu begrenzen. Der freie Wille ist vielleicht keine physische oder psychische Tatsache, wohl aber immer eine soziale. Der Mensch wird keineswegs frei geboren, er ist zur Freiheit verurteilt: von seinen Mitmenschen."


Gero von Randow

Siehe auch Verordnen, Lösungsorientierung und Kundendienst



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http://www.systemisch.net/ 2001 Ingo Spitczok von Brisinski